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Geschichten

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Beschreibung des Amtsbezirks Riesenkirch



Der Amtsbezirk Riesenkirch

Von Alfred Müsse 

Gebildet ist der Amtsbezirk Riesenkirch aus den Gemeinden Rieserkirch, Jakobsdorf mit der
Domäne Tönigesdorf.

Riesenkirch = Resinkirch, nach der Landschaft Reisen oder Resen so genannt, war einst eine
prussische Burg am Wasser (Sorgensee) in waldarmer Gegend gelegen, also alter prussischer
Siedlungsboden. Die Burg wurde 1235 durch Heinrich von Meißen erobert und zerstört. Der
Bischof Heinrich tauscht 1289 den Besitz des Preußen Navier gegen Klein Tromnau ein.
Seither ist Riesenkirch deutscher Besitz und wurde in diesem Jahr als Dorf ausgetan. (Staats-
Archiv Danzig 410, 107 und 6,101 S. 96/99.)
Der Bischof Nikolaus erteilte dem Dorf 1376 eine Handfeste. Danach erhielt das Dorf zwei
Krüge zu je 1 Mark Zins, doch sollte jeder Krug soviel Dienste leisten und dem Pfarrer soviel
Dezem geben, als von 2 Hufen der Bauern gefordert werden. (Also muss zu der Zeit ein Krug
ein einträgliches Geschäft gewesen sein!) Eine Kirche wird 1376 schon erwähnt. Eine Schule
muss auch eingerichtet worden sein, denn 1399 wird bereits ein Riesenkircher genannt, der in
Prag die Rechte studierte.
Von Jakobsdorf wird berichtet, dass der Bischof Nikolaus Güter der feodales de Jakobsdorf
durch Kauf erwarb. (P.U.B. S. 43). Im 13 Jahrhundert führten sie den Namen Mascharit.
Bischof Johann bemerkte dazu, dass an der Stelle von Mascharit das Dorf Jakobsdorf liege.
(P.U.B. S. 16). Wann die Bischöfe das Dorf austaten, ist nicht festzustellen, doch kann das erst
unter Bischof Nikolaus (1360-1376 erfolgt sein. Tönigesdorf - Tolnis - Tulin erscheint zuerst
als Dorf im Jahre 1376 bei der Handfeste für Riesenburg als Grenze. Später bis zum 16.
Jahrhundert führte es den Namen Tönigesdorf und seit 1561 nach dem Schulzen Pachuttke
den Namen Pachuttken. Erst in jüngster Zeit wurde die ursprüngliche Bezeichnung
Tönigesdorf wieder amtlich festgelegt.

Und nun wollen wir mit Ernst Kolpack auf seinen Postwegen Riesenkirch - Jakobsdorf noch
einmal erleben. Man muss den Amtsbezirk als Einheit betrachten. Die beiden Dörfer waren
ein Ganzes, wenn auch zwei Gemeindebezirke mit zwei Schulen vorhanden waren. In ihrem
Gesamtleben  im Vereinswesen und in ihrem Miteinanderleben waren sie nicht zu trennen. So
lasst uns erst mit Ernst Kolpack den Riesenkircher Bestellbezirk kennenlernen. Das Dorf,
langgestreckt, durchschnitten von der Straße Riesenburg - Finckenstein und Riesenwalde -
Jakobsdorf hatte eine Haupt- und eine Hinterstraße. Vom Postamt geht es erst zum Dorf zu
Schneidermeister Adolf Schielke. Er unterhält eine große Werkstatt, bekommt täglich die
meiste Post und ist eine bekannte Persönlichkeit in einem weiten Teil des Kreises. Am Rande
des Dorfes an der Straße nach Finckenstein begrüßen wir Karl Katoll an seinem etwa 140
Morgen großen Hof. Heute ist er Mitglied des Heimatkreistages. Dann schauen wir in die
beiden Gasthäuser Erich Wolske und Karl Zerwer, beide mit großem Saal, wo die
Vereinsfeste stattfinden, hinein. Zur Gastwirtschaft Zerwer gehörte noch ein altes
Vorlaubenhaus. Dann geht's zur Molkerei, einem beachtlichen Genossenschaftsbetrieb
unter Leitung von Herbert Lange, dem Nachfolger seines Vaters Adolf Lange.
Viele Auszeichnungen haben die Langes für erstklassige Butter und Käse von Messen
heimgeholt. Dann ein kurzer Blick zu Schmiedemeister Liedtke, denn wir dürfen ihn bei
seiner Arbeit nicht aufhalten. Im Pfarrhaus bei Pastor Bold wird eine Handvoll Post
abgegeben, und schon sind wir an der Schule. Hauptlehrer Fritz Wendt freut sich, uns zu
sehen. Die Schule war kurz vor dem Krieg aufgestockt und so vier Klassenräume geschaffen
worden" Lange Jahre hat hier Hauptlehrer Hermann Lange bis 1932 gewirkt. Als Helfer
waren ihm zur Seite eine Reihe junger Lehrer: Emil Karpinski, mein Klassenbruder im
Seminar Pr.-Friedland, Otto Schrödter aus Rohlau - beide wurden Schwiegersöhne im Haus
Lange -, ferner Ernst Luppke, Schmudde, Alfred Teschke, Erich Hänfler, Jakob und andere.
Wir gehen hinüber zu einem kleinen Anwesen. Gewaltig summen hier die Immen, wohnt doch
hier Karl Krupp IV, der Bienenkrupp genannt, Wir sind ganz alte Bekannte dieser Zunft.
Dann geht's weiter ins Dorf hinein.
Auch hier in Riesenkirch das typische Dorfbild: im Dorf die Handwerker,
Gewerbetreibenden und Arbeiter, die Höfe der Bauern aber liegen bis auf drei alle draussen
in der weiten Feldmark Vor 60 bis 80 Jahren war es noch anders, wovon die alten
Vorlaubenhäuser zeugen. Hier finden wir nach der Bestellung des Schneidermeisters
Dobrick, des Tischlers Adolf Woschinski und der Insthäuser von Ernst Kasche und Ernst
Pukall I, auf der anderen Straßenseite die Häuser des Schmiedemeisters Kanter, des
Fleischermeisters Reschke, des Stellmachermeisters Adolf Schmidt und einiger Kätner das
zweite Vorlaubenhaus der Geschwister Zerwer. Im anderen Dorfteil finden wir den
Dachdecker Bonin, den Zimmermann Fritz Kolpack den Onkel unseres Postbeamten, dessen
Frau auch sehr schön zu diesem Bericht beigetragen hat. Dann kommen wir an Hermann
Tschorsch vorbei zum Hof von Fritz Senkblei (240 Morgen). Hier ist viel zu sehen! Drei
prächtige Hengste vom Gestüt stehen hier zur Deckzeit. Edle Stuten mit ihren Fohlen
bewundern wir in den Boxen. Hier wird Zucht groß geschrieben, nicht nur bei Pferden, auch die
Rinderherde ist ausgezeichnet und die Schweinezucht nicht minder. Nach kurzer
Besichtigung und herzlichen Abschiedsworten geht's weiter nach Norden. Dort drüben ist
mein Haus, sagt Ernst Kolpack, das lassen wir aus, aber Tischlermeister Kiwitt,
Sattlermeister Teschke und Zimmermann Tillschewski dürfen wir
nicht yergessen, dann haben wir das Dorf bestellt.
Jetzt schwingen wir uns auf die Fahrräder, und hinaus geht's einen Kilometer nördlich zu
Ernst Volkmann (80 Morgen), dem Vetter des Postboten. Von dort aus suchen wir Karl
Totzke (180 Morgen) auf, einen alten Bekannten von mir. Das letzte Grundstück an diesem
Weg gehört den Geschwistern Pukall (220 Morgen). Was sind das alles für prächtige Höfe!
Die werden noch schöner, entgegnet mein Begleiter. Wir fahren nun in südlicher Richtung zu
Karl Krupp II (180 Morgen), den ich auch von der Imkerei her kenne. Auf der Weiterfahrt
erreichen wir die Straße nach Riesenburg, wo wir uns zunächst dem Dorfe zuwenden und
rechts zu Fritz Tchorsch und dann zu Tischlermeister Johannes Jäschke und Gottfried
Schmidt kommen. Wir kehren um und erreichen nach etwa zwei Kilometer den Hof von
Ernst Volkmann (180 Morgen), genannt der reiche Volkmann. Hier müssen wir uns etwas
Zeit lassen, bat ich Ernst Kolpack hier möchte ich viel sehen und hören. Zuerst einen Blick in
den sehr gepflegten Ziergarten. Ja, auch Bäuerinnen können Gärten pflegen. Dieser hier ist
aber mit seinen Lauben, Teppichbeeten und Blumen wirklich etwas Einmaliges. Freund Ernst
und seine Frau begrüßen uns sehr herzlich, und ich muss natürlich die Geflügelzucht sehen
und dann das gepflegte Haus. Doch nun will ich noch mehr wissen. "Liebe Frau Volkmann,
Sie haben ja allerlei Weltreisen hinter sich, doch erzählen Sie mit jetzt von Ihrer Luftfahrt
mit dem Grafen Zeppelin, Ernst Kolpack wartet gerne so lange". Und nun erzählt Frau Volkmann! 
"Im Jahre 1930 fuhr ich zu den Festspielen nach Oberammergau und anschließend nach 
Österreich ins Salzkammergut. Die Rückkehr von dort bis München unternahm ich in einem Flugzeug, 
nicht weil ich Eile hatte, sondern weil ich mal gern fliegen wollte. Der FIug hatte mir viel Freude gemacht, 
und viel habe ich meinem Mann und meinen Freunden von diesem, meinem ersten FIug vorgeschwärmt. 
Etwa vier Wochen später war mein Mann zur Bullenauktion in Königsberg. Nach seiner Rückkehr 
erzählte er so beiläufig, dass das Reisebüro Mayhöfer um Passagiere für eine Fahrt des Luftschiffes 
Graf Zeppelin durch die deutsche Ostmark werbe. Ich war natürlich Feuer und Fett für diese Fahrt 
und schmollte mit meinem Mann, weil er nicht wenigstens nach Zeit und Preis gefragt hätte. 
Er konterte: Das ist nichts für gewöhnliche Sterbliche.- Dann hättest du es mir gar nicht erst sagen dürfen!"
Worauf mein Mann sagte: Dumm genug war's auch von mir, und nun bitte ich mir meine
Nachtruhe ausl" Ich wartete nun sehnsüchtig auf den kommenden Morgen, um Mayhöfer
anzurufen. lch hatte Glück, ich konnte den letzten Ptatz belegen, er kostete 350 RM, und mein
Leben war mit 30 000 RM versichert. Beim Frühstück kam ich wieder darauf zurück, worauf
mein holder Gatte erwiderte: Du wirst nicht eher ruhen, bis du einmal abgesoffen oder
abgestürzt bist. Auf hoher See hatte ich schon beide Schiffstaufen erlebt, die Äquator- und die
Polartaufe. Meine letzte große Seereise war eine Westindienfahrt mit neun Wochen an Bord.
Der Wirtschaft wegen reisten wir getrennt, auch mein Mann hat diesen Teil von Gottes
schöner Welt gesehen. Der Start des großen Zeppelins erfolgte in Berlin-Tempelhof. Da mein
lieber Mann mir trotz aller Bettelei diese Fahrt nicht recht gestatten wollte, tat ich sie
heimlich an. Unter dem Vorwand, zum Augenarzt nach Marienburg zu müssen, fuhr mich
mein Mann zur Bahn. Es fiel ihm auf, dass ich mich so besonders herzlich von ihm
verabschiedete, worauf ich ihm zu verstehen gab, der Zug könne ja entgleisen. Zu Haus fand
er dann einen Brief neben seinem Gedeck vor, worauf er nach dem Lesen nur "Canaille"
gesagt habe, wie mir meine Haustochter später berichtete. Der Start erfolgte um 22.00 Uhr.
Als wir über Berlin hinaus waren, begab sich alles zur Ruhe. Außer den Schlafkabinen waren
zwei größere Räume vorhanden, ein Speisesaal und ein Aufenthaltsraum. Zwanzig Passagiere
waren an Bord, von denen etwa die Hälfte Ausländer waren. Das Schiff fuhr unter Leitung von 
Kapitän Lehmann. Als ich am anderen Morgen in den Frühstücksraum kam, erfuhr ich die ganze 
Route; es ging auch über Marienwerder zum Tannenbergdenkmal. Und damit musste die Fahrt 
ja über unsere engste Heimat gehen. Über Marienwerder warf ich einen Blumenstrauß ab. Leider war der Himmel
teilweise etwas verhangen, doch gab es auch hin und wieder gute Erdsicht. So konnte ich sehr
gut unseren Nachbarhof Neuhausen erkennen, leider aber unseren Hof nicht sehen, er wurde durch 
Wolken verdeckt. Ich war doch etwas benommen vor Freude und Aufregung. In diesem Augenblick 
kam Kapitän Lehmann an unseren Tisch; die Gäste erzählten ihm von meinem Erlebnis, worauf er sagte:
Schade, sehr schade, wenn ich da vorher gewusst hätte, hätten wir so lange über Ihrer Heimat gekreuzt, bis ein 
Wolkenfenster den Blick freigegeben hätte, denn wir haben sehr viel Zeit übrig bis zur Landung. Was wäre
das für eine Freude gewesen! Daraufhin bat ein anderer Passagier, ein Gutsbesitzer
von Hippel, sein Gut zu überfliegen, was ihm auch zugesagt wurde. Leider konnte
ihm der Wunsch nicht erfüllt werden, weil wir in ein schweres Gewitter kamen. Nach dem
feudalen Mittagessen sind wir über dem Tannenbergdenkmal, wir gehen sehr tief. Tausende
von Menschen erwarten uns dort, viele Blumen werden abgeworfen, Musik tönt nach oben.
Die Fahrt geht weiter über die Masurischen Seen, ein herrliches Bild aus der Vogelperspektive. 
Doch bald verdunkelte sich der Himmel. Es ist Kaffeezeit. Noch ehe wir uns zu Tisch setzten, 
zucken die ersten Blitze aus schwarzem Gewölk. Die herrliche Weinbeertorte mit Schlagsahne 
kann uns kaum noch reizen. Die Blitze zucken jetzt unaufhörlich um den Zepp herum. Man dachte 
unwillkürlich, der große Koloß muss doch getroffen werden. Kapitän Lehmann bemühte sich unentwegt, 
um in der Hauptsache die Damen zu beruhigen. Er zählte, wie gut sie die Gewitternähe berechnen und ihr ausweichen
könnten. Allmählich rückte die Landezeit heran, aber über Königsberg lag nun das Gewitter.
Wir kreuzten noch etwa eine Stunde über der Ostsee, bevor wir landeten. Der Regen hatte
aufgehört, der Himmel wurde klar und die Sonne schien. Bei der Landung tönte unendlicher
Jubel auf. Die Königsberger wurden für ihr Ausharren reichlich belohnt. Es folgten die
üblichen Begrüßungen, Oberbürgermeister Töchterlein überreichte Kapitän Lehmann ein
quicklebendiges Glücksschwein. Nach diesem Bericht verabschiedeten wir uns, und nun
geht's auf den Gollenberg zunächst zu Otto Krupp {80 Morgen), dann zu Karl Zwerer (110
Morgen), zu Conrad Schulz (I20 Morgen) und Ernst Hinz (90 Morgen). Weiter östlich
kommen wir zu Ernst Krüger (110 Morgen). Immer wieder sehen wir uns bei den
Kyffhäuser-Aufmärschen und Deligiertentagungen in Riesenburg. Auch hier wird ein Blick in
die Wirtschaft getan- bei alten Freunden muss man schon etwas verweilen. Von hier führt uns
der Weg wieder dem Dorf zu, und wir kommen zu Freund Ernst Kasche (220 Morgen). Wie
viele frohe Stunden habe ich auch mit ihm verlebt, überhaupt mit den Riesenkirchern und
Jakobsdorfern, besonders nach den Holzauktionen in Finckenstein. Auch seine Tochter, Frau
Margarete Konrad, hat zu diesem Bericht beigetragen. Unser Weg führt jetzt am Dorf vorbei
nach Süden zu Ernst Pukall I (150 Morgen) und dann zum größten Hof der Gemeinde (ca.
400 Morgen) von Paul Klein. Überall der gute Boden, die prächtigen Kornfelder, eine wahre
Augenweide. Weiter führt unser Weg zu Wilhelm Schulz (60 Morgen) und Frau Leiskau (130
Morgen).
Nun verlassen wir scheinbar die Gemeinde und fahren zwei Kilometer dem Brunauer Walde
zu. Dort am Wald liegt das Gehöft von Karl Kiewitt, Klein Brunau, 220 Morgen groß. Dieser
Hof gehörte früher politisch nach Groß Brunau und zur Kirchengemeinde Rosenberg mit
Teilpatronatsrechten und - pflichten.
Erst in jüngster Zeit nach Aufhebung der Gutsbezirke wurde er der Gemeinde Riesenkirch
zugeteilt. Wir fahren nun durch den herrlichen Wald zur Försterei Groß Liebenau, wo wir
den immer wohlgelaunten Revierförster Fritz Siegler begrüßen. Und weiter geht's am
Waldhaus vorbei zu Christian Zerwer (100 Morgen), Alfred Zerwer (140 Morgen), Otto
Mattern (80 Morgen) und Otto Fritz (120 Morgen) Auch dem Windmüller Zielke muss die
Post hingereicht werden. Jetzt rollen wir dem Dorfe zu. Vor dem Bahnhof ist noch Gustav
Neumann (60 Morgen) zu bestellen, und damit endet dieser Bestellbezirk.
Am folgenden Tage begleite ich Ernst Kolpack im zweiten Zustellbezirk. Wir fahren in
Richtung Jakobsdorf und erreichen zuerst den Hof von Karl Krupp I (140 Morgen), dann
kommen wir zu Paul Eichel, genannt Butter-Eichel, weil er immer die Butter von der
Molkerei zur Bahn fuhr. Dann begrüßen wir Albert Neumann, den Schwager von Ernst
Krüger (170 Morgen); auch wir beide sind alte Bekannte. Weiter geht's zu Otto Volkmann
(110 Morgen), dem Onkel meines Postbeamten. Der nächste ist Walter Kanter (180 Morgen),
womit wir Riesenkirch verlassen und nach Jakobsdorf kommen. Der erste Bauer dort ist
Walter Neumann (170 Morgen), der nächste Jobst (170 Morgen), der Schwiegervater von
Karl Krebs aus Rosenau; Carl Jäschke (160 Morgen) ist der nächste am Wege. Dann kommen
wir zu meinem Freund Willi Guth (150 Morgen), dessen Mutter als passionierte Imkerin
bekannt ist. Jetzt fahren wir in das geschlossene Dorf und haben linker Hand den Stellmacher
Max Pawlowski, dann die Gastwirtschaft Galley und Schmiedemeister Vitzenti. Am Dorfende 
begrüßen wir unseren letzten Landrat und Kreisbauerführer Willy Pukall (170 Morgen). Und vor 
uns liegt der schöne Sorgensee! Wir radeln am See entlang zu Alfred Puttkamer (180 Morgen), 
den ich seit vielen Jahren kenne. Er zeigt uns erst seine Kaltblutstuten und Fohlen, auf die er 
sehr stolz ist. Er ist ein sehr bedächtiger und gewichtiger Bauer, zu dem die Kaltblüter absolut 
besser passen als die Trakehner Zucht. Wir überschreiten die Eisenbahn Riesenburg-Miswalde 
und bestellen die Bauern Lischitzki (50 Morgen), Benno Rahn (50 Morgen) und Gerlach (200 Morgen). 
Über den Bahnhof zurück kommen wir zu Hermann Katoll (140 Morgen), einer bekannten Persönlichkeit 
und eines Hauptes höher denn alles Volk, weshalb er auch der lange Katoll genannt wurde. Bei
Aufmärschen trug er die Fahne des Garde-Vereins. Der nächste hinter dem Bahnhof ist Fritz
Volkmann (180 Morgen). Weiter führt uns der Weg zu Albert Pukall (260 Morgen), und dann
erreichen wir den letzten Jakobsdorfer, Fregin (80 Morgen).
Nun fahren wir zügig durch bis Tönigesdorf, der staatlichen Domäne. Lange Jahre war hier
Oberamtmann Platz Domänenpächter.
Später war die Domäne in staatlicher Verwaltung. Hier erhalten die Postzusteller wie auf
vielen anderen Gütern des Kreises ihr Mittagessen. Wohlgestärkt fahren wir weiter in den
nordöstlichen Zipfel der Gemeinde Riesenkirch zurück in den Kulling. Hier begrüße ich
Rudolf Lucht (160 Morgen). Manche frohe Stunde habe ich mit ihm bei vielen Gelegenheiten
verlebt. Der nächste ist Ernst Pukall II (120 Morgen) , es folgen Fritz Pohl (130 Morgen),
Fritz Pukall (170 Morgen), Fritz Krupp (160 Morgen), den ein unverwüstlicher Humor
auszeichnete, Soldat vom Scheitel bis zur Sohle. Weiter folgten nun Gustav Märtensr, Walter
Wenske, beide mit kleineren Wirtschaften. Dann kommen wir zu Frau Lötz (140 Morgen),
Erich Pukall (220 Morgen) und Eduard Runde (80 Morgen). Damit ist auch der zweite
Bestellbezirk erledigt.
Sollte ich nun den einen oder anderen vergessen haben, so hat es nicht daran gelegen, dass er
an diesem Tage vielleicht keine Post hatte, sondern weil fast zwei Jahrzehnte vergangen sind,
seit wir dieses gesegnete Land, die reizvolle Landschaft am Sorgensee verlassen mussten.
Viele von den lieben Menschen, die in diesem Bericht genannt sind, ruhen in fremder Erde,
viele sind dem östlichen Terror auf dem Fluchtwege beziehungsweise in der Heimat zum
Opfer gefallen. Eine Ehrenliste konnte ich nicht aufstellen, da viele Schicksale ungeklärt sind.
Das Heimatbuch enthält ein Ehrenblatt, mag jeder in seinem Buch darauf die Opfer seiner
Familie festhalten
Die Dörfer Riesenkirch und Jakobsdorf sind freie Bauerndörfer je und je gewesen. Die immer
wiederkehrenden Namen Pukall, Katoll, Volkmann, Zerwer, Kiewitt und andere beweisen die
große Sesshaftigkeit der Bauerngeschlechter. Sie sind zum Teil prussischer Herkunft, aber
auch zum Teil salzburgischer Abstammung. Es waren stolze Bauerngeschlechter, die Dörfer
atmeten FIeiß und Wohlstand.
Das Zusammenleben der Bevölkerung spiegelte sich im Vereinsleben wider, das für den
ganzen Amtsbezirk eine Einheit war.
Sehr alt war der Kriegerverein (Kyffhäuser), dem lange Zeit Oberamtmann Platz vorstand;
ihm folgte bis zur Vertreibung Ernst Krüger. Die freiwillige Feuerwehr, motorisiert, wurde
jahrelang von Brandmeister Paul Mundt vorbildlich geführt. Der Kleinkaliber- und
Sportverein stand unter Leitung von Lehrer 0tto Schrödter, später unter der des Stellmacher
Ernst Schmidt. Der Gesangverein wurde von Hauptlehrer Lange ins Leben gerufen und später 
von den jungen Lehrern geleitet. Die Vereinsfeste waren Dorffeste, an denen alle teilhatten. 
Die Bürgermeister der Gemeinde Riesenkirch waren: KarI Krupp II, Ernst Kasche 1920 bis 1933, Karl Kiwitt. 
Die Amtsvorsteher: Karl Pukall (Kulling), Christian Volkmann, Jakobsdorf, Ernst Krüger und Hermann Katoll, Jakobsdorf.
Die Gemeinde Riesenkirch hatte ein Areal von 1826 Hektar und 1944 in 210 Haushaltungen
987 Einwohner.
Die Gemeinde Jakobsdorf mit Tönigesdorf hatte ein Areal von 943 Hektar und 73
Haushaltungen 404 Einwohner. AIle Bewohner gehörten fast ausschließlich der evangelischen
Kirche an.


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